Wie hoch ist der Trauerredner Verdienst? Diese Frage stellen sich viele, die über den Berufseinstieg nachdenken. Die ehrliche Antwort: Es kommt sehr darauf an. Auf die Region, auf die Anzahl der Trauerfeiern, auf das Honorar und darauf, ob man hauptberuflich oder nebenberuflich tätig ist.
Wie viele Menschen, die als Trauerrednerin oder Trauerredner arbeiten, verdienen ihren Lebensunterhalt mit dieser Tätigkeit? Nur einem Teil der freien Trauerrednerinnen und -redner wird dies gelingen. Auf der anderen Seite wollen viele auch gar nicht tagein tagaus auf dem Friedhof stehen.
Ich kenne Trauerredner, die arbeiten um die 400 Trauerfeiern im Jahr ab. Ich kenne andere, die mit 10 Feiern im Jahr zufrieden sind. Die einen leben ausschließlich von der Begleitung von Trauerfeiern. Für viele andere sind die Trauerreden nur ein Teil ihrer beruflichen Tätigkeit.
Um im Beruf zufrieden zu sein, muss jeder für sich selbst herausfinden:
- Wieviel Geld benötige ich, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten?
- Wieviel will ich dafür arbeiten?
- Mit welcher Arbeit kann ich mein Ziel erreichen?
Aber es gibt nicht nur monetäre Ziele, sondern auch persönliche Fähigkeiten und Grenzen:
- Wieviel Tod und Trauer vertrage ich?
- Welchen Ausgleich finde ich, wenn ich in diesem emotionalen Feld arbeite?
- Was macht mir sonst noch Spaß?
- Welche anderen beruflichen Interessen will ich noch verfolgen?
Die meisten freien Rednerinnen und Redner arbeiten als Freiberufler. Natürlich gibt es auch Bestatterinnen und Bestatter, die selbst die Trauerreden in ihrem Bestattungshaus übernehmen und einige wenige bei großen Filialisten angestellte Redner. Von denen soll hier aber nicht die Rede sein.
Die Akquise läuft anders als bei anderen Freiberuflern
Als Freiberufler stehen Trauerrednerinnen und -redner vor einer großen Herausforderung, die anders ist als bei anderen freiberuflichen Tätigkeiten. Sie bekommen ihre Aufträge in der Regel nicht direkt von ihren Kunden, sondern werden durch ein Bestattungsunternehmen an diese Kunden vermittelt oder empfohlen. Das Bestattungshaus wirkt so als Filter zwischen den Kunden und dem freien Trauerredner. Was durch diesen Filter hindurchgeht, bestimmt das Bestattungshaus, nicht der Redner.
Das hat verschiedene Auswirkungen: zum einen ist der Markteintritt für neue Rednerinnen und Redner nicht einfach, zum anderen entsteht eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit von den Bestattern in der Region.
Andererseits: Läuft die Zusammenarbeit gut, hat man es als Rednerin sehr bequem. Man muss sich nicht um die Akquise kümmern, das übernimmt der Bestatter. Das Telefon klingelt regelmäßig und man muss nur den Termin bestätigen.
Trauerredner Verdienst: Notwendigkeit, Wunsch und Wirklichkeit
Was verdient ein Trauerredner wirklich? Ein freier Trauerredner, der eine Familie zu versorgen hat, müsste circa 75.000 Euro im Jahr Umsatz machen, um seine Büro- und Werbekosten zu begleichen, sich als Selbständiger zu versichern, ausreichend für das Alter vorzusorgen und genügend zum Leben übrig zu haben.
Seit der Berufsstand der Trauerredner aus der Künstlersozialkasse (KSK) herausgekickt wurde, wird in der gesetzlichen Krankenversicherung der monatliche Mindestbeitrag für hauptberuflich Selbständige fällig oder man landet im Tarif einer privaten Krankenversicherung. Das Trauerredner Honorar muss also auch diese Fixkosten tragen.
Als Newcomer kann man sich ausgehend von seinen Honorarforderungen fragen: Wie oft müsste ich pro Jahr in der Trauerhalle stehen, wie viele Gespräche mit Angehörigen führen, um 75.000 Euro als Trauerredner Verdienst zu erzielen? Ist das mittelfristig realistisch? Wenn man ein Honorar ansetzt, das deutlich über den regional üblichen Honoraren liegt, machen die Bestatter nicht mit.
Wenn man den angezielten Umsatz über die Anzahl der Trauerfeiern erreichen will, leidet die Qualität. Und ist es überhaupt möglich, diese Anzahl von Trauerfeiern zu erreichen? Bei vielen dürfte die Antwort nein lauten.
Trauerredner nebenberuflich: Eine Lösung sind andere Tätigkeiten
Von Wunschträumen kann niemand seine Miete bezahlen. Entweder müssen Rednerinnen und Redner eine andere berufliche Perspektive aufbauen oder das Leistungsspektrum erweitern. Eine Möglichkeit ist es, die Trauerreden von vorneherein als Teilzeittätigkeit oder Zubrot zu verstehen: Hauptberuflich Mutter oder Vater sein, einen gutverdienenden Partner haben, irgendwo noch einer geregelten Angestelltentätigkeit in Teilzeit nachgehen oder durch eine Rente abgesichert sein.
Andere erweitern ihr Leistungsspektrum mit Angeboten, die zu ihrer beruflichen Biografie und fachlichen Kompetenz passen. Und hier sind die Beispiele vielfältig: Discjockey, Paarberatung, Künstler, Unternehmensberatung, Ausbilder, Kommunikationstraining, Moderatorin, freier Journalist.
Trauerredner nebenberuflich zu starten hat also nicht nur den Vorteil eines finanziellen Polsters. Es gibt auch die Freiheit, den eigenen Tätigkeitsanteil in diesem emotionalen Berufsfeld selbst zu bestimmen. Wichtig ist, dass die Arbeitszeiten möglichst wenig mit den meist kurzfristigen Anfragen für Trauerfeiern kollidieren. Hier ist ein hohes Maß an Selbstorganisation und Flexibilität gefragt.
Auch emotionalen Gründe können für einen Mix der Tätigkeiten sprechen
Die Tätigkeit als Trauerredner mit anderen Berufen zu verbinden – das hat nicht nur aus finanzielle Gründe. Jeder muss lernen, mit den emotionalen Belastungen umzugehen. Die meisten freien Redner arbeiten allein und führen ihr Büro von zu Hause aus. Nur wenige sind Teil eines Teams, in dem man sich über einzelne Fälle und die damit verbundenen Herausforderungen austauschen kann.
Es gilt, die Balance zu finden: zwischen völliger emotionaler Distanz und einem übertriebener Fürsorge. Eine gesunde Distanz, gepaart mit echter Empathie für die Angehörigen, bleibt nur möglich, wenn der Redner gut auf sich selbst achtet. In sozialen Berufen spricht man hier von Selbstfürsorge.
Ich selbst habe viele Interessen. Mich ausschließlich auf Trauerreden zu konzentrieren, wäre mir zu einseitig – und so geht es vielen Kolleginnen und Kollegen. Deshalb suchen sich viele zusätzliche berufliche Standbeine. Man spürt schnell, ob diese Vielfalt aus der Not heraus entsteht oder ob jemand seine berufliche Identität bewusst gestaltet.
Es ist möglich, mit Trauerredner Verdienst den Lebensunterhalt zu verdienen
Man kann mit Trauerreden seinen Lebensunterhalt verdienen.
Wer Trauerredner werden will, sollte zuerst klären, ob dieser Beruf wirklich der eigene Traum ist. Danach gilt es, den Markt zu prüfen: Gibt es überhaupt Chancen, den Traum mittelfristig zu verwirklichen?
Für die meisten Einsteiger gilt: Wer glaubt, als Trauerredner schnell und mühelos Geld zu verdienen, landet bald in einer Sackgasse.
Der Beruf verlangt Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, Rückschläge zu verkraften. Diese Stärke schöpft man aus einer tieferen Motivation: Interesse an Menschen und dem Wunsch, ihnen zu helfen, gestärkt aus Abschied und Trauer hervorzugehen.
Als Trauerredner:in gut vorbereitet starten: Die Ausbildung
Vier Monate begleiteter Onlinekurs mit drei Präsenzseminaren. Für alle, die Trauerreden wirklich gut machen wollen.
Beitragsbild: tamayura39/ fotolia.com






Hallo, danke für die Einschätzung. Ich fand sie auch als bereits erfahrene Trauerrednerin hilfreich und entlastend und sie spiegelt meine Erfahrung wieder.
Die Information, dass die Trauerredner aus der KSK geschickt wurden hat mich insofern irritiert, weil ich immer wieder Informationen zu einem gegeteiligen Urteil aus 2006 gefunden habe, nach dem Redner, die sehr individuelle arbeiten, von der KSK aufgenommen werden müssen. Gibt es da gegenteilige neuere Entscheidungen? Ich hatte auf die Aufnahme in der KSK gehofft.
Hallo Monika, danke für das Feedback. Zur Frage der KSK habe ich einen anderen Beitrag geschrieben https://trauerreden-campus.de/trauerredner-kuenstlersozialkasse/ Die entscheidende Änderung kam 2011. Das ist jetzt auch schon wieder 11 Jahre her. Vor kurzem habe ich mit der KSK telefoniert. Wer vor 2011 als Trauerredner*in in die KSK aufgenommen wurde und weiterhin die Bedingungen erfüllt hat so etwas wie „Bestandsschutz“, neue Anträge werden abgelehnt. Demnächst werde ich mal ein UpDate des Beitrags mit ein paar mehr Details aus meinem Gespräch mit der KSK schreiben . Herzliche Grüße, Birgit
Vielen Dank für diesen realistischen und zugleich ermutigenden Bericht und die Motive zur Überprüfung der eigenen Motivation. Hilft insgesamt sehr weiter, die aktuelle Frage nach Orientierung in Richtung dieses Berufs zu konkretisieren und Wunsch, Hoffnung und den Boden der Tatsachen miteinander in ein Verhältnis zu setzen!
Danke für die Rückmeldung. Genau dazu soll der Artikel dienen, Orientierung zu geben.