Der Beruf Trauerredner*in

Für die einen ist es ein Traumjob, für andere unvorstellbar: Trauerredner

 

Einige grundlegende Informationen zum Beruf des Trauerredners:

Für viele Trauerrednerinnen und -redner spielt eine wichtige Rolle, dass ihr Beruf sinnerfüllend ist. Sie wollen für andere Menschen da sein, ihnen helfen und sie unterstützen. Ständig mit Tod und Trauer zu tun hat, das liegt nicht jedem. Wer Trauerredner*in wird, hat sich bewusst dafür entschieden.

 

Viele andere Berufe haben mit den Schattenseiten des Lebens zu tun: Notfallsanitäter, Feuerwehr, Pflegeberufe, Bestatter. Als Trauerredner*in kann man nichts mehr an der Situation ändern oder etwas für den Verstorbenen tun. Aber man kann die Lebenden unterstützen, eine Form des Abschieds zu finden, die ihnen gut tut.

Die Aufgaben eines Trauerredners

 

Manchmal fragen Menschen, warum ein Trauerredner ein Honorar von 400 € oder 600 € bekommt (in manchen Gegenden liegt das durchschnittliche Honorar weit darunter), wo er/ sie doch nur ein paar Worte in der Trauerhalle oder am Grab sagt. Für eine halbe Stunde Rede sei das doch ein fürstliches Gehalt. Es mag ja Trauerredner geben, die nach einem kurzen Telefongespräch und den Daten, die sie vom Bestatter erhalten, die Lücken in einer allgemein gehaltenen Musterrede ergänzen, diese dann vortragen und so schnell wieder vom Friedhof verschwinden wie sie gekommen sind.

Die Mehrheit der freien Redner*innen arbeitet nach diesen Qualitätskriterien:

  • Zum Standard gehört ein persönliches Vorgespräch mit den Angehörigen, mit Familie und Freunden. In der Regel dauerte dieses Gespräch ein bis zwei Stunden.
  • In mobilen Zeiten kommt immer häufiger ein zweites kürzeres Telefongespräch mit einem Familienangehörigen vor, der weiter weg wohnt.
  • Die Informationen aus dem Gespräch werden in eine individualisierte Traueransprache eingearbeitet. Wer sehr personen- und fallbezogen arbeitet und keine Musterreden nutzt oder Redebausteine zusammensetzt, benötigt zwei bis vier Stunden für die Traueransprache. Das hängt auch davon ab, ob ein Redner mit einem Stichwortkonzept frei spricht oder ein schriftliches Manuskript ausarbeitet.
  • Menschen, die nicht mehr in der Kirche sind, erwarten auch eine rituelle Begleitung. Wer Schwierigkeiten mit dem Ritualbegriff hat, spricht stattdessen von „Gestaltung der Trauerfeier“. Hier berät der Trauerredner die Kunden.
  • Bei der Trauerrednerin laufen die Fäden für den Ablauf der Trauerfeier zusammen. Welche Musik wird gespielt? Wer wird sonst noch reden? Beteiligen sich die Trauergäste, indem sie Lieder singen, Kerzen anzünden, Gedanken aufschreiben und mit ins Grab geben etc. Sie führt die Regie oder moderiert die Feier.
  • Um die Trauerfamilie begrüßen und spontane Änderungen einarbeiten zu können, kommt er/sie nicht auf den letzten Drücker.
  • In den vergangenen Jahren hat sich die Trauerkultur verändert. Beerdigungen sind persönlicher geworden, oft bunter, manchmal sogar fröhlich. Trauerredner haben eine beratende Rolle und können aus ihrer Praxiserfahrung Ideen beisteuern. Die letzte Entscheidung liegt aber bei den Auftraggebern.
  • Trauerredner*innen können als Privatunternehmer gut auf individuelle Wünsche eingehen, während Pfarrer*innen in feste Strukturen eingebunden sind.

Aus all dem wird deutlich, dass die Begleitung einer Trauerfamilie, eine persönlich gestaltete Trauerfeier und Trauerrede einen Zeitaufwand von sechs bis zehn Stunden erfordert. Es gibt viele, die wollen oder können von diesem Nettoverdienst (ca. 400 € abzgl. Steuern und Betriebsausgaben) nicht leben. Warum es dennoch so viele Trauerredner*innen gibt, hat sicher mit den Gründen zu tun, weshalb viele den Beruf des Trauerredners Beruf lieben.

Marktchancen: „Gestorben wird immer…“

 

Das ist richtig! Richtig ist auch, dass die Anzahl von Bestattungen sich nicht erhöhen lässt, jährlich sterben in Deutschland ca. 950.000 Menschen. Der Anteil kirchlicher Bestattungen nimmt kontinuierlich ab, 2017 lag er bei 55,2 Prozent. Im Vergleich dazu waren es 2002 noch 70,1 Prozent. Nicht mehr lange und der Anteil kirchlicher Bestattungen wird unter 50 Prozent fallen. Wobei es regional große Unterschiede gibt. Grob gesagt: ostdeutsche Städte liegen bei 95 % nichtkirchlicher Trauerfeiern, in süddeutschen ländlichen Gebieten dagegen ist die nichtkirchliche Feier eher die Ausnahme.

Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, das ist ein seit Jahren anhaltender Trend. Im Todesfall wird dann ein freier Redner beauftragt. Zunehmend entscheiden sich Kirchenmitglieder für eine nichtkirchliche Feier. Sie haben keine innere Bindung mehr zur Kirche oder können mit den Ritualen nichts mehr anfangen. Oder sie wollen sicherstellen, dass die Trauerfeier persönlich gestaltet ist und sie nicht darüber diskutieren müssen, ob ein bestimmtes Lied nun gespielt wird oder nicht.

Die Zahl nichtkirchlicher Bestattungen nimmt zu, das ist auch der Trend für die nächsten Jahre. Allerdings bietet eine immer größer werdende Zahl von freien Redner*innen ihre Dienste an. Deshalb lässt sich für Berufsinteressenten pauschal nichts über Marktchancen sagen. Ob ein Einstieg gelingt hängt von vielen Faktoren ab.

Qualifizierung als Trauerredner

 

Trauerredner*in ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Das hat zur Folge, dass es keinerlei Voraussetzungen bedarf, um sich als Trauerredner*in selbstständig zu machen. Jeder kann sich eine Visitenkarte mit „Trauerredner“ darauf drucken und loslegen.

Das hat zwei Seiten:

  • Es gibt keine Institution, die festlegt, was in einen Ausbildungskanon hineingehört und was nicht. Es gibt keinen Verband und keine Behörde, die den Marktzugang reguliert. Die Freiheit des einzelnen Redners ist groß, sich das passende Ausbildungsangebot auszusuchen oder einfach zu sagen „Ab heute bin ich Trauerredner.“
  • Die andere Seite ist: für die Kunden ist nicht ersichtlich, wer mit welcher Qualifikation die Trauerfeier begleitet und eine Rede hält. Sie verlassen sich auf die Empfehlung des Bestattungshauses oder haben schon einmal eine*n freie*n Redner*in erlebt, die sie gut fanden und nun buchen.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Ausbildungsangeboten, die nach einem ein- oder zweitägigen Seminar den Absolventen ein „Zertifikat“ ausstellen. Die Teilnehmenden machen sich als „zertifizierte Trauerredner“ auf den Weg. Andere Angebote haben ein Curriculum von zwei Wochenenden oder zwei Seminarwochen. Für jeden Zeiteinsatz und Geldbeutel gibt es ein Angebot.

Das ist besser als nichts. Manche bringen aus ihren vorherigen Berufen schon so viel mit, dass ihnen die zehn besten Tipps für den Berufseinstieg, einige Checklisten und Beispielreden ausreichen. Was ihnen fehlt, das erarbeiten sie sich in der praktischen Tätigkeit selbst.

Dieser völlig freie Markt der Trauerreden macht es Kunden schwer, sich zu orientieren. Oft bleiben ja nur wenige Tage Zeit, die Bestattung zu organisieren. Wer nicht vorbereitet ist – und das sind die wenigsten – verlässt sich auf die Empfehlung des Bestattungshauses. Diese tun gut daran, qualifizierte Redner*innen zu empfehlen. Eine Familie, die sich gut begleitet und in der Trauerfeier aufgehoben fühlt, wird nicht nur den Redner, sondern auch den Bestatter gerne weiterempfehlen.

Geschichte der Trauerredner

 

Die Trauerrede ist nichts Neues. Eine der berühmtesten dieser Reden ist Perikles’ Trauerrede (5. Jh. v. Chr.). Er trauerte um den Tod von Soldaten in den beginnenden Schlachten des Peloponnesischen Krieges. Die Gefallenenrede ist auch eine politische Rede, denn sie spricht mit den Begriffen Freiheit, Gleichheit und Weltoffenheit über die Demokratie. Mit den Trauerreden heutzutage hat diese Art von politischer Rede wenig zu tun.

Europa wurde christianisiert, über Jahrhunderte hinweg gingen Kirche und Staat eine enge Verbindung ein. Die Bestattung lag ganz in den Händen der Kirche. Das kirchliche Ritual wurde nach den Riten der jeweiligen Konfession und Region gestaltet. Mit der Gründung von Feuerbestattungsvereinen seit Ende des 19. Jahrhunderts, entwickelten sich die ersten nichtreligiösen Feiern. Ursprünglicher Impuls zur Gründung der Feuerbestattungsvereine war die damalige hygienische Situation auf den Friedhöfen, medizinische Diskussionen und eine beginnenden pragmatisch-rationale Einstellung zum Tod. Dazu kam der ökonomische Vorteil kleinerer Gräber in einer Zeit zunehmender Industrialisierung, die die innerstädtischen Friedhofsflächen verteuerte.

Schnell polarisierten sich die Positionen. Die Kirchen wurden zu klaren Gegnern dieser Bewegung. Sie wandten sich gegen eine mechanistisch-materialistische Sichtweise des Körpers. Die Feuerbestattung ließ sich nach ihrem Verständnis nicht mit der Lehre von der leiblichen Wiederauferstehung vereinbaren. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verloren die Feuerbestattungsvereine ihre Unabhängigkeit. 1934 wurde das Reichsgesetz über die Feuerbestattung erlassen, das die Feuer- und die Erdbestattung erstmals gleichstellte. In den evangelischen Landeskirchen entwickelten sich schon bald unterschiedliche Positionen. Die katholische Kirche hob erst 1963 das Verbot der Feuerbestattung in Folge der Reformen des 2. Vatikanischen Konzils auf.

Nach dem Krieg gab es mit der Teilung Deutschlands in den beiden deutschen Staaten eine unterschiedliche Entwicklung. In den Anfangsjahren der DDR gab es einen relativ hohen Anteil kirchlicher Bestattungen, der seit den 1970er Jahren spürbar weniger wurde. Eine Folge der propagierten Kirchenaustritte und der Förderung der Feuerbestattung durch ökonomische Anreize. Die ersten Arbeitshilfen für sozialistische und weltliche Bestattungen erschienen, die wachsende Zahl weltlicher Trauerfeiern führte dazu, dass die Redner organisiert wurden. Sie übernahmen eine Art Amt, mussten politisch loyal sein, wurden durch die örtlichen Organe zugelassen, für bestimmte Feiern beauftragt und territorial zugewiesen. Der Staat kontrollierte durch die Redner die Gestaltung der Feiern. Eine Berufsausbildung gab es nicht, nur recht allgemein gehaltene Qualifikationsmerkmale waren gefordert. In Zuge dieser Veränderung gab es zunehmend auch „Stille Feiern“ ohne Redner.

In der BRD entstanden nach dem Krieg erneut freidenkerische und freireligiöse Gemeinschaften, die sich 1993 zum Humanistischen Verband Deutschlands zusammenschlossen. Neben den humanistischen Rednern bieten seit den 1980er Jahren zunehmend freie Redner und Rednerinnen ihre Dienstleistung an, unabhängig von weltanschaulichen Organisationen oder Gruppierungen. Anfangs stammten viele von ihnen aus dem kirchlichen Bereich und brachten eine theologische Qualifikation mit. Inzwischen gibt es eine Vielfalt vor Vorbildungen: therapeutische, sozialwissenschaftliche, sprach- oder literaturwissenschaftliche, kaufmännische Berufe bilden die Mehrheit. Insgesamt zeichnet diese Generation von Rednern und Rednerinnen eine gewisse Lebenserfahrung aus, die meisten haben vorher in anderen Berufen gearbeitet.

„Es heißt jetzt übrigens nicht mehr Trauerredner, sondern Funeral Orator.“

 

Zum Glück funktioniert in Deutschland Englisch als Marktsprache nicht so gut. “Director of Human Resources”, das ist der Personalleiter. Hinter „First Level Supporter“ verbirgt sich der telefonische Kundendienst. Es gibt eine ganze Reihe von Bezeichnungen für Menschen, die Trauerreden halten: in manchen Gegenden wird vom Beerdigungsredner, Bestattungsredner oder Grabredner gesprochen. Gängig sind auch Redner oder Sprecher, mit dem Zusatz frei oder weltlich. Etwas weniger bekannt ist der Funeralrhetoriker. Allgemein durchgesetzt hat sich die Bezeichnung Trauerredner.

Damit vor dem inneren Auge der Lesenden und Hörenden nicht gleich ein Mann hinter dem Rednerpult erscheint, benutze ich häufig den Genderstern und schreibe von Trauerredner*innen. Das Sternchen wird benutzt um männliche und weibliche wie auch nicht-binäre Geschlechtsidentitäten auszudrücken, wie es so schön auf Wikipedia heißt.

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